Hintergrundwissen

Wir wollen an dieser Stelle durch die Beantwortung Ihrer Fragen gerne weitere Informationen zu den Materialien des Mungo-Verlags anbieten. Sollten Sie eine Frage haben, stellen Sie diese gerne über das folgende Kontaktformular. Wir werden versuchen diese zu beantworten und die Antwort ohne Ihren Namen auf dieser Seite veröffentlichen.

Ihre gestellten Fragen

Wie viele Therapien konnte Harald Schmidt mit Hilfe der Materialien vom Mungo-Verlag bereits erfolgreich durchführen?

Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Erstens habe ich leider keine Statistik über meine Therapien aus den letzten 24 Jahren erstellt.

Zweitens, was heißt erfolgreich? Ich treffe immer wieder ehemalige Therapiekinder oder deren Eltern, die mir berichten, dass ihr Kind einen guten Schulabschluss - auch in Mathematik - erreicht, dann die Lehre oder gar ein Studium erfolgreich abgeschlossen hat und die ehemaligen Mathe-Probleme kein Thema mehr sind.

Erfolgreich kann aber auch heißen, dass Mathematik nach wie vor ein Problem ist, das Kind oder der junge Erwachsene aber gelernt hat, damit umzugehen und auch beruflich erfolgreich ist.

Leider gab es unter meinen vielleicht 150 Therapiekindern auch eine Handvoll, bei denen die Therapie kaum messbare Erfolge erreicht hat. Bei diesen Kindern lagen in der Regel aber auch Störungen zugrunde, die mit den Methoden der Dyskalkulietherapie nicht zu bearbeiten waren. Inwieweit die Eltern oder Kinder auf entsprechende Hinweise reagiert haben, lag dann nicht mehr in meiner Verantwortung.

Wenn die Therapie über das Jugendamt finanziert wurde, war diese Finanzierung oft auf 40, gelegentlich auf 60 und in Einzelfällen auf 80 Stunde begrenzt. Nach Einschätzung des Jugendamtes waren die Therapieziele damit auch oft erreicht. Bei manchen dieser Kinder hätte ich mir weitere Bewilligungen gewünscht und manche Eltern haben dann auch privat weitere Stunden finanziert, aber das kann natürlich nicht jede alleinerziehende Mutter oder jede auf Bürgergeld angewiesene Familie.

Dass die Bewilligung von Therapiestunden auf 40 oder 60 Stunden begrenzt wird, ist übrigens nirgendwo im Jugendhilfegesetz vorgeschrieben. Es gibt in Deutschland Kommunen, die auch mal über 100 und bis zu 200 Stunden bewilligen. Aber das Thema Bewilligung von Therapien ist eine ganz andere Baustelle, auf die ich gerne an anderer Stelle ausführlich eingehen kann.

(Dipl.-Math. Harald Schmidt)

Sind auch bei einem späten Therapiebeginn auch in der Oberstufe Erfolge möglich?

Ein Fallbericht aus der Lernhilfe Mathematik

Gisela (alle Namen sind selbstverständlich aus Datenschutzgründen geändert) war 17, als sie das erste Mal zusammen mit ihrer Mutter bei mir im Therapieraum auf dem Sofa saß. Sie war gerade mit Mathe 6 durch das Fachabitur an der BBS für Wirtschaft und Soziales gefallen, alle anderen Fächer waren gut oder sehr gut, aber eine 6 konnte nicht ausgeglichen werden. Gisela hatte seit der 2. Klasse Nachhilfe in Mathe, rechnete aber immer noch an den Fingern und kam selbst im Zahlenraum bis 20 zu falschen Ergebnissen. Gisela kam 5 Stunden in der Woche und nach 110 Therapiestunden bestand sie das Fachabitur mit Mathe 3. Danach studierte sie Psychologie und hat längst ihren Master-Abschluss und arbeitete als Psychologin.

Während der 12. Klasse war Gisela von der Teilnahme an den Mathe-Klausuren befreit. Stattdessen erhielt sie von mir in Absprache mit der Schule ihre Klausuren jeweils passend zu den aktuellen Themen des Therapieverlaufs. Das waren zuerst die Grundrechenarten, dann die Bruchrechnung und die lineare Algebra. Bereits in der 4. Klausur schrieb sie dann die Arbeit der Klasse mit.

Diese Regelung zum Nachteilsausgleich, die sogar vom Kultusminister abgesegnet worden war, bewirkte zweierlei: Gisela ersparte sich einerseits das Trauma weiteres Versagens und erreichte andererseits dadurch eine Vorzensur mit Note 3.

Dieses Vorgehen der an den Therapiestand angepassten Arbeiten könnte ein Vorbild für das Thema Nachteilsausgleich sein, es hat sich aber bislang nirgendwo wirklich durchgesetzt.

(Dipl.-Math. Harald Schmidt)

Wie hoch ist der Anteil an Spielen in der Therapie? Wie oft werden Spiele wiederholt?

Diese Frage lässt sich nicht mit einer Zahl oder auch mit wenigen Worten beantworten, da Spiele vielfältige Aufgaben sowohl im Therapieverlauf als auch in den einzelnen Stunden übernehmen.

Zum einen dienen sie der Motivation zu Beginn der Therapie oder auch zum Stundenbeginn. Zum anderen helfen sie bei der Diagnostik. Über einen Fehler bzw. eine Unsicherheit im Spiel kann ich dem Kind leichter hinweghelfen als bei einem offensichtlichen Fehler auf einem Arbeitsblatt. Dabei ist der Fehler im Spiel mindestens so aussagekräftig wie auf einem Arbeitsblatt.

Am Ende der Stunde oder z.B. in der letzten Stunde vor den Ferien dient das Spiel als Abschluss.

Die wichtigste Aufgabe ist aber das Verständnis und das Einüben neuer Erkenntnisse aus dem Unterrichtsstoff.

Dementsprechend kann das Spiel die gesamte Therapiestunde füllen, es kann sich aber auch abwechseln mit schriftlichen oder mündlichen Übungen.

Ganz wichtig ist dabei grundsätzlich die Einhaltung des Null-Fehler-Prinzips, wie es Carola Reuther-Liehr formuliert hat: Das Kind soll aus der Stunde mit dem Gefühl hinausgehen, heute alles richtig gemacht zu haben.

Manche Kinder wollen immer wieder das gleiche Spiel spielen, für andere braucht es methodische Abwechslung bei gleicher oder zumindest ähnlicher Thematik. Wieder andere Kinder freuen sich über Arbeitsblätter, weil sie damit das Gefühl verbinden, viel geschafft oder geleistet zu haben.

Wer also unbedingt eine Zahl haben möchte: Der Spielanteil liegt irgendwo zwischen null und einhundert Prozent. Diese Zahl nimmt natürlich im Verlauf der Therapie etwas ab, ebenso mit fortschreitendem Alter der Kinder. In der Grundschule wird sehr viel gespielt, im Laufe der Sekundarstufe I weniger und in der Sekundarstufe II fast gar nicht mehr.

(Dipl.-Math. Harald Schmidt)

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